|
|
| |
|
|
| |
Künstler
der Galerie
|
|
Alfred
T. Mörstedt. |
|
|
|
|
|
| |
„Bin
ich Gott?" Paul Klee fragt sich's 1905 während eines
Schaffensrauschs. Und dann: Das Genie sitzt „im Glashaus,
ideengebärend.
Die Dämonskralle hackt . . . Dann kommen die Kunstfreunde:
,Neue Kunst' steht am ändern Tag in der Zeitung. Die Fachzeitschriften
geben ihr einen Namen mit der Endung -ismus."
Oder liest man parallel zu Mörstedts Gebilden etwa Klees
SCHÖPFERISCHE KONFESSION, wird einem offenbar, daß der
Nachfahr Mörstedt in Klee einen Kunstkumpan hat: Beide glauben
sie bedingungslos an den Souverän Ich, der auf kleines Format
einen hochsensiblen grafischen Kosmos zu zaubern vermag, pures ästhetisches
GeBild, das sich losgemacht hat vom „zähen Schlamm
der Erscheinungswelt" und der Natur nun phantasievolle „Neubildungen" vorschlägt.
Anstelle der konventionellen „Gemäldefestung" die „aphoristisch-vielverzweigte
Grafik". Deren Formelemente: Gepunkt („Punktsaat"),
Getupf, Gestrichel, Gefleck, Gefach, Geflecht, Geweb. Und damit „ein
Bild bauen wie ein Haus", ein „Kunstwerk wie eine
Genesis". Der Schaffensakt: „Eine Seele, die zur Tafel
geht."
Wir sind beim reinen Subjektivismus: Der Künstler
schafft sich einen eigenen Zeichenapparat, organisiert damit
mosaikartige
Bildstrukturen und harmonisiert sie zu wundervoll aus-balancierten
Anatomien. Bildnerischer Umgang mit den Zeichen eines gleichsam
unbekannten Alphabets, zu grafischen Arabesken gereiht, rhythmisch
akzentuiert, bis irgendeine Symbolik in die Sinne springt: „Das
abtastende Auge ein weidendes Tier." Und überall Raum
für Traum - zwischen den Polen Weite und Enge, Puzzle und
Poesie, zwischen Heiterkeit und Strenge, Polemik und Ironie.
Ironie
aber nicht als flapsige, flaxige Un-Art, sondern als funkelnden,
sprühenden Un-Ernst, der zwischendurch rasch
mal sein koboldisches Unwesen treibt. Faktenfetischisten, die
mit unkalkulierbarem
Phantasiegespiel nichts anzufangen wissen, sehen da vielleicht
lediglich Komik und Kuriosa, wo es sich doch um grafische Pretiosen
handelt. Gut, auch mit gewisser Infantilität wird geliebäugelt,
aber es ist solche von der hochkultivierten Sorte: virtuose
Vereinfachung, wie sie aus großem ästhetischen Vergnügen
resultiert. Die Farbfelder nicht zu vergessen, die sich zuweilen
zu ornamentalen Teppichen fügen. Reine Farben leuchten
auf in den filigranen Mustern, selbst Gold, und machen sie
zuweilen zu abstrakten Ikonen.
Man lese dazu die parodierenden
Bildtitel. Sie sind poetisches Zubehör, mitunter wohl auch nur ein Flop oder Spottspot.
Esprit und Humor prickeln und perlen witzig und spritzig zwischen
manchmal sehr tragischen Bildereignissen. Solcher Stilbruch
kann einem instinktsicheren Stilisten wie Mörstedt jedoch
keinen Abbruch tun, Irritation hält er für produktiv,
mit ihr fertigzuwerden für geistigen Hochgenuß.
Dr. Edwin Kratschmer
|
 |
Biographie
|
|
Gedankenstrom
< 1992 |
|
|
1925 in Erfurt als Sohn eines Artisten geboren
1943—1945 Soldat im zweiten Weltkrieg; schwere Verwundung
1947-1948 Besuch
der Meisterschule für angewandte Kunst
in Erfurt
1948—1952 Studium an der Hochschule für Baukunst
und Bildende Kunst in Weimar (Lehrer: Hoffmann-lederer und
Kirchberger) und an der Hochschule für Bildende und Angewandte
Kunst in Berlin-Weißensee
1952-1954 Gebrauchswerber
1954—1960 Designer in der Vogtlandischon Textilindustrie;
Beschäftigung mit Batik; erste Druckgrafiken
seit 1960 freischaffend als Maler und Grafiker in Erfurt
seit 1974 Herausgabe
eigener Grafikmappen (»Mitgeschöpfe". „Unstrutland", «Signaturen")
Reisen
nach Ägypten, Frankreich. Holland, Österreich,
Polen, Rumänien, in die SU, die CSSR und nach Ungarn
Personalausstellungen u. a. in Altenburg, Bautzen, Bayreuth, Berlin, Bern bürg,
Cambridge, Cottbus, Dresden, Erfurt, Erlangen, Gotha, Holle,
Iserlohn, Jena, Karl-Marx-Stadt,
Leipzig, Magdeburg, Meiningen, Prag, Saalfeld, Sonneberg,
Stendol, Stuttgart, Suhl, Unterwellenborn, Warnemünde,
Weimar, Wemigerode
Beteiligung an Ausstellungen u.
a. in Abu Dhabi, Aleppo, Aquila, Bagdad, Banska Bystrica, Bratislava,
Budapest. Bukarest,
Bytom, Damaskus, Feldkirch, Havanna, Kuweit, Leningrad, Lissabon,
Moskau. Neu-Delhi, Paris, Prag. Rimini. Sint-Niklaas, Sofia,
Tallinn, Timisoara, Vilnius, Warschau, Wien, Wroclaw
Werke
in öffentlichen Sammlungen u. a. in Altenburg,
Berlin. Bernburg. Budapest, Darmstadt, Dresden, Eisenach, Erfurt,
Erlangen,
Frankfurt/M.. Frankfurt/O., Gera, Gotha, Halle, Ilmenau, Jena.
Karl-Marx-Stadt, Krakau, Leipzig, Leningrad, Lindau, Lublin,
Meiningen, Mühlhausen, Nürnberg, Paris, Pescia, Prag,
Rostock, Schwerin, Stendal, Warschau, Weimar, Wien
|
|
|
 |
|
Kurzweil
am Horizont
< 1989 |
|
|
|
 |
|
Muntere
Festlichkeit in Sicht
< 2002 |
|
|
|
|
 |
|