Der menschliche Körper ist seine Passion. Da kann er mit Rundformen
spielen, wuchten, türmen und ballen, kann sie zu Vertikalen
steilen oder Liegende sich bäumen lassen. Er kann die Korpusse
zu Hochglanz rüsten oder abstumpfen, bis sich in ihnen kein
Licht mehr bricht. Und Korpus heißt ihm hier vorwiegend weiblich,
in ihm kann er pralle, potenzierte Sinnlichkeit bis zu blitzender
Gefahrenstufe steigern. Oder er reduziert seine Figuren zu amorphen,
difformen Gestalten, bläst schließlich Formschaum auf,
bis sie sich „wie Heuhaufen" gegenübersitzen. Neuerdings ätherisiert
er die Figuren vollends zu Plexiglasgebilden, zu erstarrten Unruhen
und nennt sie dann u.a. „Begegnung unter ungeklärten
Umständen".
Und Appelt weiß, dass die Menschheit ein Bestiarium auch ist. Er verfremdet
es und nennt's Lapidarium. Man könnte das frei mit Stein-Reich umschreiben,
das hintergründig wohl Steinzeit als auch Versteinung assoziieren soll.
In seinen Steindrucken lebt er diese Möglichkeitsspanne voll aus. Er verschraubt
die Menschwesen bis zu gefährdeter Statuarität, hievt sie auf Podeste,
und sie umstehen und umlauern sich dann wie fossile Götter und Götzen:
Es entstehen Szenerien, die im Dialog erstarrt sind, Petrefakten aus vergangenen Äonen.
Ist's ein Walhall oder der Pranger? Sind's in den Himmel erigierende Steine?
Beseelte Stalagmiten? Aber immer sind's in Stimmung getauchte Steinzeichnungen
in einem beredten Umfeld. Der passionierte Bildhauer kostet in ihnen mittels
Schaben, Wischen und Spritzen sowohl diffuse als auch diffizile grafische Reize
aus. Schließlich erklärt er gar die Getränkedose zum Leitfossil
unserer Tage. Er nennt sie „Opfer der Straße", prägt sie
in edles Bütten und erhebt sie dadurch zu einem Signet der zweiten Hälfte
des zwanzigsten Jahrhunderts.
Dr. Maren Kroneck
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