Über
Bernd Hieke
Zeitbezogener und zeitübergreifender kann eine Kunst nicht
sein, die wie die Grafiken Bernd Hiekes durch ihre Inhalte verständlich,
aufklärend und inspirierend unmittelbar in unser Leben eingreift.
Es dürfte ein Glücksumstand sein, dass der Elsterberger
Künstler die reiche einheimische Vogelwelt in den Mittelpunkt
seiner künstlerischen Tätigkeit gerückt hat. Die
von ihm dargestellten Tiere sind entweder reine Phantasielebewesen
oder nehmen aus seinen Blättern mit ihren Bewegungen und durch
ihren Habitus eine Stellung ein, die sie deutlich in die Nähe
zeitgemäßer, oft kritikwürdiger menschlicher Verhaltensweisen
und aktueller Problemlagen bringt. Die Verwendung altmeisterlicher
Stilmittel, deren Anregung von einer Verehrung Dürers und
seiner Tierdarstellungen herrühren dürfte, verhilft vielen
Menschen einen Zugang zum \Aferk Bernd Hiekes zu finden.
Der Künstler und Hobby-Ornithologe hat eine hintergründige
Bildsprache entwickelt, die bisher zunehmend viele einheimische
Kunstfreunde und besonders Exlibris-Liebhaber in allen Teilen Deutschlands,
den Niederlanden, in Frankreich, Österreich, Belgien, den
USA und selbst im Grafik verwöhnten Japan zu begeistern wusste.
Wolfgang Rudioff
Bernd Hieke ist Grafiker und Maler. Seine Arbeiten atmen die Schöpfung.
In den filigranen Lithografien, den feingliedrigen Kupferstichen
und den sensiblen Gemälden verschmelzen Natur und Gedankenwelt
zu intensiven Kunstwerken, die eines immer aussagen -die Ehrfurcht
vor der Natur.
Mit elf Jahren zieht er mit den Eltern nach Elsterberg. Die reizvolle
Landschaft rund um die Kleinstadt nimmt den Jungen gefangen. Mehr
und mehr entwickeln sich Zeichnen und Naturinteresse zu seinen
Leidenschaften. Literatur, wie die Naturschilderungen Hermann Löns,
prägen ihn und seine Begeisterung für die Schöpfung.
Sein besonderes Augenmerk gilt der Ornithologie. Er liest Fachbücher,
stößt irgendwann auf die Werke des Nobelpreisträgers
Konrad Lorenz und findet in diesen Ansichten Bestätigung und
Ermutigung. Mittlerweile ist Hieke auch in Fachkreisen ein anerkannter
Ornithologe. In den Werken Hiekes verfließen die zumeist
Detail genau, aber nie naturrealistisch abgebildeten Motive mit
Landschaften und Schriftzügen, fügen sich in nuancenreiche
Verläufe warmer, erdiger Farbtöne, die erden Lithographie-Drucksteinen
mit eindrucksvollem Gespür für die Feinheiten des Materials
entlockt. Sein künstlerisches Handwerkszeug, das er für
elementar und zwingend notwendig für jede künstlerische
Tätigkeit hält, erlernt er in verschiedenen Studien.
Eine von vielen Stationen: die Kulturakademie Rudolstadt. Dort
sei es namentlich Elke Hopf gewesen, die ihn als Dozentin maßgeblich
beeinflusst hat. Bevor er in den vergangenen Jahren zur Lithographie
findet, ist es vor allem der Kupferstich, dem sich Hieke widmet.
Die Arbeit mit der Linie liegt ihm. In die Linie legt er seine
Empfindungen - klar deutlich und stets wesentlicher Teil der Gesamtheit.
An der Lithographie reizt ihn der Stein, dessen Strukturen, die
er in die Grafiken bringt. Vor dem Stein hat Hieke Respekt. Weit über
die Grenzen der Region ist er als Exlibris-Künstler und angesehener
Grafiker bekannt. Sammler jener kleinen Bucheignerzeichen in Ost-
und Westdeutschland geben die Miniaturkunstwerke bei ihm in Auftrag.
Selbst in Japan und China finden seine Exlibris-Arbeiten Beachtung.
Auch heute noch zählen sie zu den bedeutenden Arbeiten des
Elsterbergers.
Karsten Schaarschmidt
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