Er nennt sich Menschenmaler. Seine „eigentliche Akademie" sei die Galerie Alter Meister gewesen.
Seine Geisteshaltung sei die eines Realisten und er meint damit jenen gewaltigen Malstrom meisterhafter Kunst von Cranach bis Schiele, die noch die Demut vor dem Gegenstand kennt und kompromisslos auf Handwerk und Können setzt. Das macht ihn in unserer innovationssüchtigen Zeit schon beinahe zum Außenseiter. Dabei liebt er die Sinnlichkeit, liebt er das Inkarnat seiner Modelle, beherrscht er bravourös die Nuancierung der Fleischtöne. So wurde er zum passionierten Porträtis-ten: Der Mensch - das ist ihm vor allem dessen Antlitz. Es ist ihm Spiegel und Fenster, aus dem das Leben spricht, Erfahrung und Temperament, Stimmung und Lust. Derart betreibt er neugierig seine Menscheninspektion, hält er Umschau im „Menschenpark". Immer aber nähert er sich seinen Modellen voller Respekt, bewahrt er deren Würde und findet so zu deren Persönlichkeit. Er ist fasziniert von der Dinglichkeit alles Sichtbaren und registriert sie mit scharfem Blick und zumeist spitzen Pinseln. Da ist nichts Zufälliges, Impulsives. Allein der Erscheinung gehört das Primat. Man vertraut daher der Authe-tizität dieser Bildnisse im Spannungsraum zwischen intimer Entdeckung und öffentlicher Re-Präsentation.
Die Wiederaufbaukommission der Dresdener Frauenkirche fand in ihm aus weitem Bewerberfeld den idealen Kuppelmaler. In 48 Metern Höhe ließ er dort die durch Bomben zerstörten Barockmalereien des Giovanni Battista Grona nach verblassten Fotos wieder erstehen. Das rückte Christoph Wetzel ins öffentliche Bewusstsein. Wir freuen uns indes über eine Wiederbegegnung mit ihm; sein Auftragswerk „Eine alltägliche Geschichte" gehört seit 1989 zur Kunstsammlung Maxhütte. Dr. Maren Kratschmer-Kroneck |