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Diego Bianconi 
 

Er kann den malerischen Lago Maggiore nicht vergessen, wenn er im herben Franken landschaftet. Oft flutet ihm Tessiner Licht ein. Südblick sieht Nordwelt anders. Aber mit dreißig hat es den passionierten Zeichner in die Dürerstadt gezogen und sie hat ihn behalten. Hier wurde er Meisterschüler, erfand er die Chalkografie und lehrt er nun Akt und Radierung.
Ein umfangreiches Werk hat sich inzwischen angesammelt: Landschaften, Stilleben, Akte. Und immer wieder bestürzen seine mehreren gewagten Perspektiven, die kühn ins Schräge gekippten Geraden, sein konstruktives Spiel mit Augenlinien und Fluchtpunkten und wie er mittels Spiegel, Fensterblick oder offener Tür Bilder von einem Draußen in die Interieurs einbringt. Wie sich dem Beobachter beim Draufblick die Räume zu faszinierenden Tiefen verzerren.
Man denkt an Hockneys „Multiwindows"-Experimente. Und dabei sind es oft ganz alltägliche Dinge, mit denen der Zeichner die Bildräume füllt und dadurch Leben in die nature morte imaginiert: der Nagel in der Wand, die geöffnete Schere, der Brief aus Guatemala, Zahnbürste, Leitern, Treppen, ein Paar Schuh ... In solches Chaos lässtsich gut ein Mensch denken. Der Zeichner zählt scheinbar nur auf, aber er ist ein hintersinniger Erzähler, Epiker, Dramatiker, das Drama könnte sofort beginnen, denn alle Dinge sind zugleich Symbole und daher mit Bedeutungen geladen, die nach Handlung drängen. Und manche Radierungen spielt er dann bis in acht „Zustände" durch, er ordnet das Hell und das Dunkel immer wieder aufs Neu, lässt Säuren fressen, Harzstaub schmelzen, poliert Ätzungen weg. Bianconi setzt in seinen Malereien und Grafiken auf Handwerk, aber es ist ihm dennoch nur Mittel zum Zweck, um uns die Welt in ungewohnter Perspektive neu erstehen zu lassen.

Dr. Maren Kratschmer-Kroneck

  Kasberger Linde
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Feder und Tempera
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2005
Biographie
 

1957 in Muralto bei Locarno geboren 1972-73 Kunstschule Lugano
1986-88 Studium bei Leo Maillet in Verscio
1988-95 Studium und Meisterschüler an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg u.a. bei Johannes Grützke
1995-99 Lehrauftrag für Aktzeichnen an der AdBK Nürnberg
2001 Gründung des Chalkografischen Forschungslabors in Eckental bei Nürnberg
seit 2007 Lehrauftrag für Radierung an der Ohm-Fachhochschule Nürnberg

Eigene Ausstellungen u.a. in Berlin, Erlangen, Fürth, Kirchheim, Modica, München, Schillingsfürst und Töplitz

Beteiligung an Ausstellungen
u.a. in Berlin, Bratislava, Krakau, Mailand, Ourense und Paris

Die Kurve
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Radierung
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2006
 

Im Bade
< Radierung mit Aquatinta und Kaltnadel, geschabt
< 1994