Sie
fabuliert aus Passion, und dann wird es Poesie. Ihre phantastischen
Einfälle vernetzt sie spielerisch zu engmaschigen Bildtexturen
und verdichtet sie zu teils heiteren, zumeist aber elegischen
Dichtungen. Sie liniiert, strichelt, schreibt, verspannt, verspinnt,
verspult und verwebt feinste Linien zu filigranen Musterteppichen
oder geheimnisvollen Gespinsten. So kreiert sie metaphernreiche,
autonome Gebilde, die weit über die Wirklichkeit hinausreichen.
Und in allem steckt eine Ursehnsucht nach Vertrautheit und Harmonie.
Oft sind es Reflexionen auf menschliche Verstrickungen, Befindlichkeiten
und Defizite im Spannungsfeld zwischen Mensch und Mensch als
Zusammentreffen zweier Kosmen. Da rebelliert also jemand auf
feinsinnige Weise gegen den Verlust der Empfindungsfähigkeit,
aber auch gegen die Verödung der Phantasie und gegen sterile
Funktionalität. Sie setzt auf Stille und Emotionalität,
horcht in sich hinein, und so gerät ihr jedes Blatt auch
zum Ventil für eigene Verwundungen, die mitunter auch Zeitbezogenes
meinen. Dann schreibt sie - vielleicht als Antworten auf ein
als gefährdet empfundenes Dasein -unter ihre Sinn-Bilder: „Kommunikationsverlust", „Im
Strudel des Gefühls", „Entzweiung, Entfremdung,
Entscheidung", „Amplituden des Lebens", „Unruh", „Manchmal
ziehen wir bunte Schleier über das Grau" ... Schier
unerschöpfliche gestalterische Inspirationsquelle ist ihr
dabei das Experiment mit verschiedenen druckgrafischen Möglichkeiten.
Jedes Blatt ein technisches Abenteuer und handwerkliche und spielerische
Lust zugleich. Zunächst mit der Spitze der Radiernadel die
Gravur ins harte Metall, dann das grafische Umgestalten mit Überzeichnungen, Übermalungen,
Collagierungen, Materialdrucken. Die Freude am Entdecken bringt
immer neue Kreationen hervor. Am Ende ist jede Bild-Findung eine ästhetische
Kostbarkeit und „dem Auge ein Fest".
Dr. Maren Kroneck
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