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Ausstellung zum 60. Geburtstag
Eva Bruszis
 

Künstler sind Spurenleger. Wer in seinem Leben auf intensive Weise Wesentliches erfahren hat und über exzellente künstlerische Möglichkeiten verfügt, dem wird jede Werkspur zugleich eine LEBENSSPUR sein. Kunstwerke sind geradezu durchdrungen von Lebenszeichen und Relikten momentaner Befindlichkeiten. Zuweilen liegen sie offen als Reliquien, oft aber bedarf es empfindsamer Einfühlung, um die geheimnisvoll verschlüsselten Codes zu dechiffrieren. Solcher Art sind die Arbeiten von Eva Bruszis. Besonders in ihren letzten Schaffensjahren entsinnt sie sich solcher aussageträchtigen Relikte aus ihren früheren Grafiken und hebt sie wie Kleinodien fragmentarisch in ihren neuen Arbeiten auf. Damit beginnt sie ein Tagebuch zwiefacher Art, indem sie einst subjektiv Aktuelles aus dem Vergessen holt, es auf seine anhaltende Gültigkeit überprüft und dann in neuer Fassung weiterführt.

Sie betreibt diese Lebensschau gar als Programm. Feinnervig registriert sie nun jede Schwingung ihres mehrfach gebrochenen Lebens bewusster und sie begreift es als äußerst gefährdete Spanne zwischen Geburt und Tod - zwischen Alpha und Omega - und erlebt es nunmehr als eine unkalkulierbare Folge von Verwundung und Verwunderung. Da ist nichts mehr selbstverständlich. Die Spuren von Siegen und Niederlagen, Hoffnungen und Ängsten, Erfahrungen und Bedrohungen gravieren tief und jede Erregung mutiert ihr dabei zu Poesie.

So geraten ihr ihre Arbeiten immer mehr sowohl zu Sinnesinseln als auch zu Seelenporträts, denen sie ihre Gedanken mittels kalligrafisch verfremdeter Schriftzeichen hinzufügt. Auf diese Weise entstehen grafische Kosmen und reizvolle hochsensible bildnerische Metamorphosen mit schier unergründlichen Botschaften. Für sie haben sie wohl auch die Bedeutung von Wegzeichen im Lebenswirrwarr, dem Betrachter aber scheinen sie wie künstlerische Solitäre in faszinierenden Fassungen.

Dr. Maren Kroneck

Was am Tag nicht scheint, leuchtet nachts
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Farbradierung/Collage < 2003
Biographie
 

1944 in Leobschütz/Oberschlesien geboren
1962-66 Studium Kunsterziehung/ Slawistik in Leipzig
1966-83 Kunsterzieherin und Russischlehrerin
1983-2000 künstlerische Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule Erfurt
1987/89 Preisträgerin der Biennale in Ostrow (Polen)
1988-90 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
1990  Abschluss als Diplom- grafikerin
Mitglied im Verband Bildender Künstler Lehraufträge an den Universitäten Darmstadt, Koblenz und Jena
2001-04 künstlerische Mitarbeiterin an der Universität Erfurt
seit 2004 freischaffend in Erfurt

Ausstellungen
u.a. in Arnstadt, Bad Frankenhausen, Banska Bystrica, Berlin, Ciesczyn, Dierdorf, Duderstadt, Eilenburg, Erfurt, Hämeenlinna, Jena, Leipzig, Mühlhausen, Ostrow, Rüsselsheim, Saalfeld, Sömmerda, Weimar, Wiesbaden und Wittenberg

Bullauge der Seele
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Farbradierung/Collage < 2003
 
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Lebensspuren I
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Kaltnadel/Materialdruck < 2004