Evelyn
Körber balanciert
energisch und elegant auf dem gefährlichen Grat zwischen
zwei unvereinbaren Welten: der Sehnsucht nach ewiger Harmonie
und der Suche nach ewiger Wahrheit. Diese Dualität begleitet
ihren Weg über die Ebenen der Druckplatten: Reine glatte
oder nur verhalten texturierte Flächen werden gegliedert
und begrenzt durch straffe, schroffe, zuweilen splittrig brechende
Linienzüge und -bündel und bilden darauf hin Gefüge
von gläserner Klarheit und zugleich stärkster, schier
unauflösbarer Spannung. So wird der nie endende Weg selbst
zum Ziel: Ruhe in der Beunruhigung, neue Kraft aus der Auflösung
des Alten, das Miteinander durch Gegeneinander zu gewinnen.
Siegfried
Körbers Botschaft ist ohne Umschweife direkt und knapp formuliert,
denn sie wird getragen von einer impressiv organisierten Feier
der Schönheit
alles Gewachsenen und Geschaffenen - auf dem Weg einer trotz
Präzision offenen Bildsprache, die zwar nachvollziehbare
grafische Formeln für ihre Mission findet, doch hinter
der demonstrativen Ehrenerweisung an das Gesehene und Erlebte
in der Außenwelt die gefundenen Zeichen zugleich zum
Spiegel eigener innerer Welten werden - und so Impression mit
Expression verschmelzen läßt.
Evelyn und Siegfried
Körber sind ein Paar im Leben wie in der Kunst. Nicht,
daß nicht die Streitäxte
gelegentlich aufblitzen würden - wo denn nicht, wenn es
um Kunst geht: Seine Meinung expressiv bis exzessiv zu formulieren,
erzeugt zwangsläufig Konfrontation - und soll es auch. Aber
dieses kämpferische Turnier findet zuvörderst mit den
Waffen der Kunst statt, um die eigenen künstlerischen Positionen
und Lebenshaltungen aneinander zu messen und gerade dadurch -
wie zum Trotz - stärker auszuprägen - gegen die Gefahr
einer gemeinsamen künstlerischen Grundsuppe ...
Das bedeutet
jedoch unabwendbar, sein Innerstes dem anderen und den anderen
täglich zu offenbaren und einander als Mensch
und Künstler die Luft zum Atmen und die Lust zum Arbeiten
zu lassen.
Nur ein Lehrer, der dies selbst praktiziert, kann
es auch erfolgreich weitergeben -zum Beispiel an künftige Lehrer und Kunstvermittler,
die immer auch lebenslang vom Kunstvirus befallen sein müssen
... wie Evelyn und Siegfried Körber.
Dr. Jutta Lindemann
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