Die Psychologie kennt dies längst: Zeichne einen Krakel und zeichne einen zweiten Krakel - und ein aufregendes Spiel beginnt. Behrendt nutzt solche fantasievolle Praxis auf feinsinnigste, lukullisch-ästhetische Weise. Und er zaubert damit auf seine Papiergevierte Landschaften, Gärten, Oasen, zeigt ein Stück Feld, Weinberg, Hafen, See, fügt als "Naturrelikte" Zeichen hinzu für Baum, Busch, Blüte, Haus, Zaun, zählt Gräser und Narben, streut oder ballt sie weiträumig auf die Fläche und kultiviert das dann farbig zu Stimmungen für Tagoder Jahreszeit. Doch plötzlich steht da das Schicksalsdatum "9. November" oder eine "Große Landschaft" wird schwarz überrollt. Nein, so beiläufig ist das alles wohl nicht. Oder er verfüllt Köpfe mit Landschafrssegmenten, das Draußen wird zu einem Drinnen; wo ansonsten das Denken und die Seele sitzen, befinden sich filigrane Liniengespinste, -geflechte und -Wirrnisse; oder er experimentiert mit Motiven wie Brücke oder Tal.
Jedes Kunstwerk braucht den idealen Betrachter. Wer Sinn hat für Akribie, fragile Kleinheit, spröde Details und delikate Lineaturen, wer noch Sinn hat für Zitterspur und Pulsschlag in schwebendem Liniengeflecht -und das alles jenseits von Geometrie, Symmetrie, Perspektive und strenger Komposition -, wem es Spaß macht, in zarter Vielheit zu vagabundieren, der wird in Behrendts raffiniert gedruckten Radierungen, Litho- und Serigrafien mit Genuss unterwegs sein.
Dr. Maren Kratschmer-Kroneck
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