Als Galerist hat er viele Jahre lang selbstlos die Kunst bedient und Künstler befördert und in Zeiten enger Kunstdoktrin hat er die Menschen empfänglich zu machen versucht für Kunstweiten. Nun, im „Ruhealter" und geprüft vom Schicksal, präsentiert er sein eigenes künstlerisches Lebenswerk, das sich, weitgehend im Rückhalt, angesammelt hat. Und da zeigt sich, dass er längst vital und voller Unruhe mit der Kunst auf ungegenständlicher Weise sein wohlkalkuliertes Spiel getrieben hat, wie er als abstrakter Expressionist zwischen gewagter Bildtektonik, zwischen Blöcken und Brüchen umherbalanciert, das Gleichgewicht suchend am Rande von Abgründen. Eben die Unmöglichkeit, immer wieder zu einer wie auch immer gearteten „Harmonie" zu finden und dabei eine Wiederholung des Gewohnten nicht zuzulassen. Er nennt sein Werk zwar lapidar „Impressionen in Form und Farbe", aber bereits die Bildtitel besagen, dass es ihm um weit mehr geht als um Impressionen: Da ist von Widerspruch die Rede, von Albtraum, Feldzeichen und kaltem Mond. Und geht es zuweilen auch um „Erinnerungen", so meint er doch unsere gefährdete Gegenwart, und wenn er die Mythologie anruft, Kassandra oder immer wieder Sisyphos, so nutzt er sie vor allem, um mittels gegenstandsferner Form- und symbolhafter Farbsprache immerwährende menschliche Defizite darzustellen: die brachiale Gewalt, die fanatische Lust auf Zerstörung, die frenetische Sinnlosigkeit. So „reduziert" er den Sisyphos-Mythos auf Block und Koloss, der zwar kaum mehr bewegt werden kann, aber dennoch immer wieder neu bewegt werden muss. Dr. Maren Kratschmer-Kroneck |