Seine Bildgevierte werden ihm zu Grasbildern, Wasserbildern, Kopfbildern, Wegbildern, Schwebebildern, Seelenländern und Totentänzen.
Die Figuren schweben scheinbar schwerelos, und es sind Herrschende, Getroffene, Verletzliche, Gehäutete, Landläufer, „Omegaläufer", Denker und Argonauten. Was ist das für ein Kommen und Gehen, für ein Drängen und Durchdringen, für ständige Wegsuche. Oder die Figuren als in Bewegung erstarrte Zeichen, die sich überschneiden, überlagern und überfliegen. Und sie haben sich verdoppelt und vervielfältigt.
Alles scheint verwoben, wie in Drähten eingeflochten. Und immer wieder das Gras: Ufergras, geheimes Gras, Grasgestalten, blühendes Heu. Gras des Vergessens? Dann Ziffern im Bild, die auf das Lebensalter verweisen, auf Lebensbilanz also. Plötzlich Poetisch-Kal-ligrafisches: „Denn wie wenn der Morgen käme", die blaue Anima im Fluss der Zeit wird kaum wahrgenommen. Wärmt schafft Ölbilder, Aquarelle, Materialbilder und Objekte. Doch ist er vor allem Zeichner, setzt auf die Linie. Die Farben gehen dabei eigene Wege. Mittendrin blüht ein Blau, flackert ein Gelb, glüht ein Rot. Penck ist ihm nah, aber auch Cranach und der Gräser-Müller aus Halle. Und Dada. Zuweilen setzt er an zu Porträt oder realistischer Figur, drumherum Menschgerüste. Oder einem Hahn schwillt der Kamm, und er ist verschweißt aus Eisenstäben und farbig bemalt. Kaum findet sichs zu Form, wird sie sogleich geflohn. Bilder wie Landkarten, schwimmend in einer Flut von Information. „Das sind meine Metamorphosen", sagt er, „Raum, Zeit, Dimension frei schwebend. Rönt-genlandschaften. Röntgenbilder der Gesellschaft". Nein, keine Kritik, nur ein Ist.
Dr. Maren Kratschmer-Kroneck |