In
den Achtzigerjahren trat - parallel zu den "jungen Wilden" -
selbstbewusst eine junge Generation von engagierten Künstlerinnen
in die Kunstgeschichte. Namen wie Hampel, Lepke oder Trendafilov,
später bekannt als Dresdner "Sezessionistinnen", verbreiteten
Aufsehen und machten Schule. Das Weibliche wurde von ihnen zur
Domäne erklärt. Die Gefühlswelt wurde intensiv
und extensiv zum wichtigsten Thema und per Bild und Zeichnung
mit selbstverständlichem Selbstverständnis herausgestellt.
Die Sinnlichkeit erhielt eine neue, weibliche Dimension.
GudrunTrendafilov
bringt ihre Intentionen unverstellt in die Kunstszene ein. Sie
denunziert kompromisslos gefällige Klischees,
fokussiert expressiv die oft idealisierten Beziehungsmechanismen
und exhibiert ekstatisch weibliche Anatomie und Körperlichkeit.
Alles bislang Intime wird kraftvoll offen gelegt.
Doch vielleicht
steckt hinter solchem Aktionismus auch so etwas wie ein heimliches
Verlangen nach der blauen Blume, vielleicht stecken in ihm auch
die Seelenschreie einer abrupt die Welt aufbrechen wollenden
Rebellin, die ein Opferdasein nicht länger zu
erdulden vermag und nun orgiastisch ihre Sehnsuchtshäute
sprengt.
Eine Kunst, die Beunruhigung stiften will, die aber Trieb
und Leid gleichermaßen akzeptiert, die im Aufbegehr die
Hingabe einschließt und dabei nach immer neuen medialen
Möglichkeiten
für weibliches Lebensgefühl sucht, es fest macht in
Mythen wie Frau mit Pflaume, Frau mit Schwanz, mit Zunge, Stacheln,
Fisch und Ratte. Wie da das Wundersame ekstatisch aus Körpern
und Gesichtern quillt und ambivalente Reaktionen provoziert! Dr. Maren Kroneck |