Sie
nennt ihre Edition „art/non", Kunstmensch, und sie identifiziert
sich mit ihm. Das ist wohl mehr als ein bloßes Sprachspiel
der Kunstfrau Kunstmann. So kreiert die art-Frau ihre „ANgesichtER" und
unterbreitet damit physiognomische Angebote, denn Gesichter sind
ihr wie Foren begehbare Landschaften, aber mit Tiefen- dimension,
sie lassen Narren gucken oder Könige, Krieger oder Geschlagene,
Denker oder Blender... Zuweilen scheinen die Charaktere unergründlich
oder verbergen sich hinter Masken. Doch jegliche Kreatur ist
ihr als Individuum „1xig" und „unikat".
Dabei spielt sie nicht
nur mit Begriffen, sondern auch mit Materialien und Formen, und
das zuweilen recht respektlos, wie es die Dadaisten getan haben,
um die Dinge in ihrem Jetzt und Hier infrage zu stellen. So stößt
sie auf allerlei Schabernack, den sie aber als Ernstfall verstanden
wissen will. Auf diese Weise artifiziert sie auf reziproke Weise
Bedrohungen und Verletzungen.
Ihre Akte scheinen weiblich-provokant.
Selbst eine „Auferstehung" kann
sie sich nur weiblich und als Kraft-volle Loreley denken, die
gegen Wahn-Witz rebelliert. Die Möglichkeiten der Fotografie
erkundet sie ähnlich freisinnig. Hierbei bezieht sie Impulse
von Man Ray. Sie arbeitet mit Belichtungen und Beschichtungen
und befördert somit Überraschungen ans Licht. Und alles
kann dann Ausgangs- material für Weiterverarbeitungen sein,
indem sie intuitiv überzeichnet und überdruckt, montiert
und collagiert, abstrahiert und reduziert, geometrisiert und
minimali-siert. Dabei beruft sie sich auf Wünsche, Träume,
Hoffnungen, Ängste. Also eine mit Gefühlen und Phantasie
angereicherte Art des Kunstmachens.
Dr. Maren Kroneck |