Zum Kunstschaffen kam er auf dem schwierigen Weg eines autodidaktischen Quereinsteigers, der seit seiner Kindheit an künstlerischen Belangen interessiert war und dann als langjähriger Kulturdezernent aktiv kulturelle Projekte der Stadt befördert hat. Wenn so einer selbst kreativ zur Kunst vordringt, profitieren Amt und Kultur.
Inzwischen stapelt sich bei ihm zu Hause ein umfangreiches Werk. Dazwischen verwahrt er respektvoll die künstlerischen Arbeiten seines Vaters, der in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit eigenen Werken überzeugt hat. Den schöpferischen Umgang mit Kunst benötigt er als Ausgleich zu Besinnung und Selbstfindung, und er braucht den Stoffwechsel mit der Natur im Alltag. Seine stimmungsvollen Landschafts- impressionen zeugen von intensivem Naturerleben. Besonders Wege und Bäume haben es ihm angetan, und er entdeckt dabei über das Ab-Bild hinaus immer intensiver deren symbolisch-metaphorische Bedeutung. Mit dem differenzierten Blick des Zeichners lässt er sich von der Formen- und Strukturenvielfalt verführen. Und er liebt die Winter; da kann er das Hell-Dunkel voll auskosten. Oder er entdeckt den Reiz von Tümpeln, Bächen, Seen. Zuweilen lastet Melancholie auf dem menschenleeren Land. Er weiß, Natur verfügt über keinen Kunstsinn, sie bedarf des Menschen, um deren Ästhetik aufzuspüren. (Dürer nannte das: der Natur die Form entreißen.) Indem sie Gerhard Meyer frei nachgestaltet, probiert er sich aus und testet dabei die Wirkung von Handzeichnung, Ölmalerei und die des Lasierens, wo er zu klaren, nahezu magischen Formulierungen gelangt. Ein „Ruhealter" gibt es für ihn nicht, denn nun kann er sich seiner Passion voll hingeben.
Dr. Maren Kratschmer-Kroneck |