Auch dreißig Jahre nach seinem Tod (1981) hat HAP (Helmut Andreas Paul) Grieshaber – der mit zahlreichen
internationalen Kunstpreisen und mit Akademie-Mitgliedschaften
geehrte Maler, Holzschneider, Typograph, Drucker, Kunstprofessor (in Karlsruhe von 1955 bis 1960), Schriftsteller, Umwelt-schützer, politische Mahner und unerschütterliche Weltverbesserer – nichts von seiner Popularität zu Lebzeiten eingebüßt.
Denn: Mit seinen höchst einprägsamen abstrahiert-figurativen Farbholz- schnitten als Einzelblätter oder in Künstlerbüchern konnte dieser 1909 in Oberschwaben (Rot an der Rot) geborene geniale Ausnahmekünstler unzählige Freunde auf der ganzen
Welt gewinnen, die ihren Grieshaber in hohen Ehren halten.
Die politischen Verhältnisse in Deutsch- land ließen in den Jahren 1935 bis 1939 nur Privatdrucke von max. 20 Exemplaren für »the happy few« zu. Nach Kriegsende war das erklärte
kulturpolitische Ziel dieses Volksauf- klärers und Missionars in Sachen Kunst deshalb, Gegenwarts- kunst durch erschwingliche Auflagendrucke jedermann zugänglich zu machen – ein Ziel, das er auch mit seinen zwischen 1966 und 1981 in Dresden und in Leipzig gedruckten großformatigen Farbholz- schnitten und mit den zahlreichen Künstler- büchern in hohen Auflagen verfolgte.
Notabene: »Wer druckt, hat gute Freunde« – zumal wenn man sowohl grobe als auch feine, aber immer göttliche Bildbotschaften und Zeit- zeichen voller drastischer Lebendigkeit und Farbigkeit druckte wie dieses pausenlos produktive und dabei unkonventionelle künstlerische Wege beschreitende Multitalent mit ausgeprägtem Hang zur Dialektik und zur Anarchie.
Der aus Apolda stammende Kunstkritiker Franz Roh mutmaßte bereits im Jahre 1950, daß dieser mit außerordentlicher
geistiger Bewegungskraft ausgestattete und höchst spontan Themen umsetzende Alleskönner Grieshaber dem spanischen Berserker Picasso nicht nur künstlerisch Paroli bieten könne,
sondern bei deutschen Sammlern auch besser ankäme – was tatsächlich der Fall war und ist.
Was uns von diesem genuinen Künstler, meisterhaften Handwerker und Anwalt der Humanität bleibt – und mit 75
Beispielen in dieser Ausstellung in der Saale-Galerie demonstriert werden kann: Sein genial in Bildzeichen transferiertes großes und kleines Welttheater, die condition humaine in
existentiellen Symbolen, die Bilder-Chronik eines betroffenen Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts – zugleich aber auch ein Hymnus auf die Schöpfung, auf die Liebe und auf den Tod.
HAP Grieshabers gewaltiges OEuvre enthält, Blatt für Blatt, das geistige Vermächtnis unserer abendländischen Tradition – sowie die uns mit Hoffnung und Zuversicht erfüllende Botschaft, daß gemäß seiner Überlebensmaxime ›Malgré tout‹ unsere Welt nur
noch durch Kunst, durch Poesie und durch Liebe grundlegend verändert werden kann.
Dr. Hans-Dieter Mück
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