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Katja Duftner
 

Kunst kann auch Ventil sein, Feuermelderin, letzter Hilferuf und SOS kurz vorm Untergang im Bermudadreieck seines Selbst. Traumatisierten gelingt oft nur auf diese Weise Überleben und Weiterleben. Dies macht die Kunst
gewiss nicht kunstvoller, aber wohl notwendiger und Not-wendender. Also Kunst aus Not und als Notschrei und somit als Humanum pur. Damit beginnt vielleicht selbst in unserer gegen- wärtigen, nach allen Seiten offenen Kunst Besinnung auf ihren ureigent-
lichen Zweck und auf ihre Herkunft:
als noch Höhlenwände mit Symbolen bemalt wurden, um starke Emotionen und existenzielle Nöte,Ängste, Gefährdungen, Gesichte, Wünsche
und Hoffnungen mystisch und suggestiv zur Anschauung zu bringen - als man ein müßiggängerisches „Kunst um der Kunst willen" noch nicht kannte, wohl aber den Drang und den Zwang nach sich sinnfällig entladenden Botschaften.
Katja Duftner ist eine Traumatisierte mit lebenslanger seelischer Lädierung und sie berichtet per Bild und Zeichnung vom Angstort Kinderzimmer und es sind Aufschreie aus einem Käfig blut- schänderischen Grauens: Erwachsene als Täter, Dämonen, Schänder und Schinder, Kinder als missbrauchte, not-
gezüchtigte Opferwinzlinge. Und Katja Duftner bricht damit unerschrocken unbequeme Tabus auf.
Für Menschen, die als Gewaltopfer mit erschütternden Überlebenskonflikten beladen sind und die darüber seismisch zu reflektieren vermögen, kann Kunst zuweilen ein zwar aufwühlendes, letzten Endes aber doch gnadenreiches Medium sein, um seelische Verknotungen und Versehrungen „abzuarbeiten", sie in einem Akt verzweifelter Selbstbefreiung
bloßzulegen, sichtbar und damit eventuell nacherlebbar zu machen. Jenseits aller bewährten Kunststilistiken sucht Katja Duftner dabei nach brauchbaren Möglichkeiten, die
brutalen Einbrüche in eine infantile Seelenwelt „zu Bilde" zu bringen.
Saale-Galerie und der Caritasverband wollen mit Katja Duftners Zwischen- welten auf diese vom öffentlichen Bewusstsein oft kaum wahr-
genommene karitative Funktion von Kunst verweisen.                           

Dr. Maren Kroneck

Der Täter
< Farbstifte und Graphit auf Ingres < 1999
Biographie
 

1966 in Innsbruck geboren
1984-87 Lehre als Goldschmied in Innsbruck
1987-91 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien Lehrer: M.Melcher und G.Kettner 1990  Stipendium der Karl-Anton-Wolf-Stiftung
1991 Würdigungspreis der österr. Staatsregierung
lebt und arbeitet in München und in Tirol

Ausstellungen u.a. in Florenz, Graz, Hall, Heiligenstadt, Innsbruck,
Istanbul, Izmir, Kufstein, Landeck, Landshut, Lienz, Linz, München, Regensburg, Reith, Schmalkalden,
Stuttgart, Wertingen, Wien und Würzburg

Arbeiten in öffentlichem Besitz u.a. in Graz, Innsbruck, München, Stuttgart, Wertingen und Wien

Und immer geht es weiter
< Farbstifte und Graphit auf Ingres < 1998
 

 

Die Spielende
<
Mischtechnik auf Karton < 2004