Kunst
kann auch Ventil sein, Feuermelderin,
letzter Hilferuf und SOS kurz vorm Untergang
im Bermudadreieck seines Selbst. Traumatisierten gelingt oft nur auf diese
Weise Überleben und Weiterleben. Dies macht die Kunst
gewiss nicht kunstvoller, aber wohl notwendiger und Not-wendender. Also Kunst
aus
Not und als Notschrei und somit als Humanum pur. Damit beginnt vielleicht
selbst in
unserer gegen- wärtigen, nach allen Seiten
offenen Kunst Besinnung auf ihren ureigent-
lichen Zweck und auf ihre Herkunft:
als noch
Höhlenwände mit Symbolen bemalt wurden,
um starke Emotionen und existenzielle Nöte,Ängste, Gefährdungen,
Gesichte, Wünsche
und Hoffnungen mystisch und suggestiv zur
Anschauung zu bringen - als man ein müßiggängerisches „Kunst
um der Kunst willen"
noch nicht kannte, wohl aber den Drang und
den Zwang nach sich sinnfällig entladenden
Botschaften.
Katja Duftner ist eine Traumatisierte mit lebenslanger seelischer Lädierung
und sie berichtet per Bild und Zeichnung vom Angstort Kinderzimmer und es sind
Aufschreie aus einem Käfig blut- schänderischen Grauens:
Erwachsene als Täter, Dämonen, Schänder
und Schinder, Kinder als missbrauchte, not-
gezüchtigte Opferwinzlinge. Und Katja Duftner bricht damit unerschrocken
unbequeme
Tabus auf.
Für Menschen, die als Gewaltopfer mit erschütternden Überlebenskonflikten
beladen
sind und die darüber seismisch zu reflektieren
vermögen, kann Kunst zuweilen ein zwar
aufwühlendes, letzten Endes aber doch gnadenreiches Medium sein, um seelische
Verknotungen und Versehrungen „abzuarbeiten",
sie in einem Akt verzweifelter Selbstbefreiung
bloßzulegen, sichtbar und damit eventuell
nacherlebbar zu machen. Jenseits aller bewährten Kunststilistiken sucht
Katja Duftner
dabei nach brauchbaren Möglichkeiten, die
brutalen Einbrüche in eine infantile Seelenwelt „zu Bilde" zu bringen.
Saale-Galerie und der Caritasverband wollen
mit Katja Duftners Zwischen- welten auf diese
vom öffentlichen Bewusstsein oft kaum wahr-
genommene karitative Funktion von Kunst verweisen.
Dr.
Maren Kroneck |