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Künstler der Galerie
Matthias Geitel
 

Spuren. Das Wort öffnet Schubladen. Vielleicht ist es gefährlich, es in Zusammenhang mit meiner Arbeit zu benutzen. Das ändert aber nichts an der Existenz von Spuren und ihrer Bedeutung für die Ideenfindung bei meiner Auseinandersetzung mit der Welt.

So ist "Spurensicherung" - die intensive Beobachtung, das leidenschaftliche Sammeln, das fotografische Festhalten - ein erster Schritt, der mich täglich begleitet. Aber die Illusion, damit bereits in den Bereich "Kunst" vorzudringen, habe ich verloren. Im Gegenteil: Immer schmerzlicher wird bewußt, wie schwer es ist, den gewachsenen Strukturen eine künstlerische Arbeit entgegenzustellen, die über eine ähnliche suggestive Kraft verfügt.

Generell untersuche ich Entwicklungsprozesse, deren Spuren ich begegne. Es sind Zerfallsprozesse, gesellschaftliche Vorgänge, Entstehung neuer Strukturen. Dabei spielt das Medium, in dem letztlich die künstlerische Umsetzung erfolgt, eine zunehmend geringere Rolle. Ich bediene mich der Technik, von der ich glaube, daß sie dem Thema am besten gerecht wird. Eine ständige Erweiterung der technischen Möglichkeiten geht mit diesem Arbeitsprinzip einher.

Es ist mir wichtig, Formulierungen meiner privaten Sichten und Erlebnisse zu finden, die ein Stück Allgemeingültigkeit enthalten, die so zum gedanklichen Ansatz beim Betrachter werden können. Spuren haben diesen Teil Allgemeingültigkeit. Mir geht es nicht um ihre Nachahmung, sondern um ihre Nutzung für Neuformulierungen. Fundstücke, aus ihrer Umgebung herausgerissen, verändern ihre Bedeutung. Mit ihrer Aura zu spielen ist aufregend und gefährlich zugleich.

Matthias Geitel


Da wird einer berührt vom Donnerschlag der Stille, er sinnt Spuren und Strukturen nach, legt Ablagerungen frei, betreibt sensible Bestandsaufnahme, geht dem Gestern nach, dem Verfall, der Zersetzung, der Zerstörung, der Auflösung, macht Jagd auf Zeichen von ehedem. Er treibt Erinnerungsarbeit: Erinnerung an einen Tag, an einen Menschen, an eine Wand, an ein Haus, an eine Straße. Er nimmt den Dingen ihre Totenmaske ab, frottiert ihren Zustand, monotypiert, decalcoma-niert, taktyloskopiert. Da werden sie zu Rememberobjekten, provozieren sie Reflexionen, bedrängen sie uns mit Mitteilungen. Man kommt von den Dingen an sich zu Dingen für uns und erfährt nebenbei: Wie sensibel, wahrnehmungsfähig, ansprechbar sind wir noch angesichts scheinbar trivialer Spuren. Und siehe: Es gibt nichts Banales, alles ist voll von Leben, hat sinnliche Qualität und Wert; jeder Abdruck, jeder Haarriß, jeder Fleck - Blick in eine beredte Archäologie. Über die Dinge zu sich selber kommen ...

Dr. Maren Kroneck

Biographie
Überlagerungen, Blatt 1
<
Radierung < 1993
 
1962 in Jena geboren
1983-1988 Studium an derTH Ilmenau
seit 1989 freischaffend als Maler und Grafiker in Erfurt
seit 1991 Mitglied des Bundesverbands Bildender Künstler
1991-1992 Gaststudium an der Kunstakademie Münster
1993-1994 Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds Berlin

Eigene Ausstellungen in Erfurt, Essen, Ilmenau und Weimar

Beteiligung an Ausstellungen in Agliano, Bremen, Chemnitz, Glauchau, Györ, Ilmenau, Recklinghausen, Suhl und Thessaloniki
Archäologische Zeichnungen (Serie)
<Graphit auf Lithographie < 1993
 
Matthias Geitel im Internet...