Es
scheint, als scheue diese Frau kein Risiko bei der Befriedigung
ihrer Sehnsucht, Welt zu erfahren, und als sei gerade das Zentrum
ihres Lebens, auch ihres Lebens als Künstlerin. Maud Tutsches
kraftvoll vorgetragenes zeichnerisches Talent und ihre malerischen
Fähigkeiten haben sich bei ihr wie selten verbunden mit
dem umtriebigen, forschenden Geist einer Frau, die den Aufbruch
nicht nur plant, sondern ihn auch vollzieht: Sei es der aus der
Biederkeit einer "bürgerlichen" Existenz in die
Unwägbarkeiten eines Lebens als Künstlerin oder aber
der Aufbruch ans andere Ende der Welt, um jenseits jedes touristischen
Zeitmaßes Landschaft und Menschen zu erfahren, häufig
genug in Grenzsituationen.
Ja, ganz offenbar sind es gerade diese
Grenzsituationen, in die sich Maud Tutsche selbst immer wieder
begibt, die ihrem künstlerischen
Reifeprozeß spürbare Impulse verleihen.
Mit Porträtzeichnungen hat Maud Tutsche als Autodidaktin
in den achtziger Jahren begonnen und dabei den Menschen als ihr
Schlüsselthema entdeckt. Bis heute scheint es für sie
die bleibende Herausforderung und
Faszination, menschliche Körper, Haltungen, Gesten darzustellen
und dabei immer neue Menschenbilder entstehen zu lassen, so,
als spüre sie einem Mysterium nach, das sie als Künstlerin
permanent herausfordert.
Neben diese Arbeiten stellt sie seit
neuem von expressiver Farbigkeit lebende Landschaften. - Das
war nicht immer so.
Lassen sich anderswo Einschnitte nur schwer
ausmachen, so spiegeln Maud Tutsches Bilder seit 1996/97 zäsurartig die Resultate
eines Licht- und Farbenrausches, der auf nichts anderes als
ihr Australienerlebnis 1996 zurückzuführen ist. Sechs
Monate lang ist sie durch dieses Land gezogen, hat gesehen,
gemalt, radiert und gezeichnet.
Was dort verinnerlicht wurde
und in dicken Skizzenbüchern
dokumentiert ist, hat Maud Tutsche bis heute nicht losgelassen
und prägt seitdem ihre künstlerische Arbeit. Intensiv
hat sie diese Monate voller Licht und faszinierender Eindrücke
aufbereitet - mit Gewinn! Nicht nur ihre Landschaften profitieren
davon, sondern auch die ihr so wichtigen Akte, die Menschenbilder.
Der
Reiz des spontanen, schnellen Festhaltens von Gesehenem ist dabei
wohl geblieben. Zu ihm hat sich aber der Wunsch nach
Vertiefung und Differenzierung auch im Umgang mit der Farbe
gesellt. Und genau das hat ihrem Werk weitergeholfen.
Ausdruck
dessen sind vor allem die in jüngster Zeit entstandenen
Monotypien, bei denen Maud Tutsche ihre Affinität zur
Zeichnung mit dieser besonderen Farbdrucktechnik verbindet.
Sie setzt dabei nicht auf die Zufälligkeit einer durch
den Druck entstehenden Struktur, sondern auf die Realisierung
eines Bildkonzepts, das Zeichnung und Farbauftrag miteinander
verbindet. Sie weiß um die Risiken dieser Technik und
nutzt sie trotzdem, um ihre ganz persönliche Art Welterfahrung
zu fixieren.
Dr. Rolf Luhn
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