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Otto Paetz
 

Seit sechs Jahrzehnten lebt und schafft er in Weimar. Das ist ein volles Menschenleben. Und in dieser Zeit hat er - unbeeindruckt von aller Ideologi- sierung und vom Ismenrausch - als Landschafter die lange Tradition der Weimarer Malerschule fortgeführt und hat ihr dadurch mit seinen altmeister- lichen Zeichnungen und Radierungen Ruf und Refugium bewahrt. Da scheint zunächst Natur pur fixiert, wie sie sich dem arglosen Landgänger als Augen- weide darbietet, dem schon allein das Schauen Lust bedeutet. Aus dem unendlichen Reservoir an optischen Naturvorgaben brennen sich ihm
dann oft idyllische Landschaftswinkel
ein, deren scheinbare Unberührtheit er
zeichnerisch dokumentieren möchte,
in dem er ihnen Sinn und Seele ein- haucht und sie so zu einem Resonanz- raum für seine eigene Stimmung und Empfindung macht. Auf diese Weise gerät ihm das Gewohnte jeweils zu einem Besonderen. Der Betrachter erlebt die elementaren Dinge in ihrem vielleicht bislang unbeachteten originalen Reichtum: Wiesen, Felder, Wege, Täler, Dörfer, Hänge, Himmel - und immer wieder die Bäume. Die „Paetzschen Bäume" sind in ihrer Aus druckskraft geradezu legendär geworden, weil sie oft sensible Lebens- berichte liefern von ihrem schweren Kampf ums Dasein.
So treten seine Werke unaufdringlich aus der engen Provinz heraus, reflektieren „Welt-Sicht" und inter- pretieren zugleich das scheinbar Zeitlose und Harmlose auf hinter-gründige Weise. In seinem Alterswerk verspannt er seine Lineatur nun mit mehr Kraftaufwand, sie gerät ihm dadurch zuweilen zu schwung vollerer und ausufernder Kurvatur von besonderer Eindringlichkeit.

Dr. Maren Kroneck

Verschneiter Hang
< Kaltnadel auf Zink < 1957
Biographie
 
   

22. 1. 1914 in Cunsdorf / Reichenbach i.V. geboren
1935-39 Meisterschule für Handwerk und angewandte Kunst in Weimar; Assistent
1941-45 Kunsthochschule Weimar
Meisterschüler bei Walther Klemm
1945-95 freischaffend in Weimar
1962-88 Leiter von Mal- und Zeichenzirkeln
1963  Kunstpreis der Stadt Weimar 1971 Kunstpreis der DDR
seit 1995 freischaffend in Weimar und Zella-Mehlis
2004  Ehrenbürger der Stadt Reichenbach

Ausstellungen u.a. Altenburg, Apolda, Bad Frankenhausen,
Bad Berka, Bernburg, Berlin, Bonn, Budapest, Chemnitz, Eisenach, Erfurt, Gera, Gotha, Görlitz, Greiz, Ilmenau, Jena, Leipzig, Meiningen, Mühlhausen, Naumburg, Nürnberg,
Reichenbach, Rostock, Saalfeld, Stuttgart, Unterwellenborn, Vilnius und Weimar

Werke u. a. in den Museen von Altenburg, Bernburg, Dresden, Erfurt, Gotha, Halle, Leipzig, Reichenbach, Rostock
und Weimar

 
Bäume im Spätherbst
< Kaltnadel
< 1951
Allee im Park
< Ätzradierung
< 1994
 
 
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Bettelmannseiche
< Ätzradierung
< 2000
  Alte Lärche
< Kaltnadel
< 1976