Mit seinen expressionistischen Plakaten für das Nationaltheater Weimar erregte er in den Endsechzigern Aufsehen, und anlässlich einer spektakulären Ausstellung zwei Jahre vor der Wende in Unterwellenborn schrieb Edwin Kratschmer: „Da kommt uns einer mit Menschheitsfragen, weil er das Ideal will und sich an den Wirklichkeiten wundstößt. Er versucht herauszufinden, woran die Welt wohl krankt. Daher engagiert er sich per Bild mit Besessenheit. Er erstattet künstlerisch Lagebericht, liefert Zustands- schilderung, die er zu Sitten- und Zerrbildern verdichtet und zwischen Pose und Posse erstarren lässt, damit sie uns auf die Nerven gehen.
Seine expressiven Grafiken, oft Großformate, bersten vor lauter Rhetorik und sperriger Gestik. Da drängts sich dicht. Man ruft, rast, streitet, foltert, schlachtet, siegt und flieht, man zweifelt und verzweifelt, man wartet und sucht, erinnert sich, verkauft sich, man ist blind, geblendet, erniedrigt, man schreit auf und erhebt sich. Es ist eine Welt, in der Wahnsinn wütet, Gewaltenergien sich entladen, Hasspotenziale aufbrechen. Es ist eine Heuristik des Schreckens über unsere zwischenmenschliche Barbarei, unsere Rambo-und Hoologan-Mentalität, unsere laszive Wrestling-Lust."
Rolf Kuhrt hat inzwischen sein Welttheater aus einer zynischen Diktatur um Erfahrungen aus einem chaotischen Nachtota-litarismus bereichert und zu neuer Bildsprache getrieben. Doch immer noch vermeldet er: Seht her, so sehe ich mich und meine Zeitgenossen und langsam löst er sich von seinem Malerfreund Beckmann, der ihm über die Generationen hinweg ein Mutmacher gewesen ist.
Die einstigen scharfen Schnitte in großflächigem Schwarz-Weiß lassen nun offenbar mehr Licht, Luft und auch Lust herein. |