"Wenn
man das alte Ballhaus finden will, suche man in der Gründerzeit.
So manches Geheimnis verbirgt sich dort. Entlang der Mondstraße
und der Zeppelinallee gelangt man durch leere Parks und über
stürmische Friedhöfe in imaginäre Räume. Äußerst
behutsam sollte man sich vorantasten ins Reich der Stockmänner
mit Frack und Zylinder..." So Stefan Jüttner. Es scheint,
da beharrt einer am Jahr-hundertende mit feinsinniger Affinität
noch immer auf den Jahrhundertanfang, und er hat dabei den Staffelstab
von Rene Magritte aufgegriffen. Doch er kreiert seine theatralischen
Inszenierungen zunehmend mittels modernster Computertechnik.
Wie mit fiktiver Kamera bewegt er sich durch die von ihm geschaffenen
magischen Räume und treibt darin sein surreales Spiel. Voller
Melancholie und Ironie enthebt er dabei die Alltagslogik ihrer
penetranten Rechthaberei und tristen Funktion, er verrätselt
das Vertraute und stellt damit das sattsam Bekannte in Frage.
Die Dinge erscheinen ver-rückt, sie schweben, erstarren;
Menschen versteinen zu Skulpturen, Augenblicke vereisen zu Ewigkeit.
Virtuelles Licht wirft geisterhafte Schatten. Eine präzise
Gegenständlichkeit evoziert groteske Irritationen. Er ist
fasziniert von der Absurdität der Ereignisse und assoziiert
kafkaeske Situationen. Er provoziert das Mysterium und verweist
damit in einer weitgehend entzauberten und oft rational entseelten
Welt auf deren potentielle Geheimnisse.
Dr. Maren Kroneck
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