Im
Zeitalter der Beton- und Stahlkonstruktionen ist Ulf Raeckes
Thema die geometrische Tektonik, die die Menschen in eine durchkonstruierte
und weitgehend anonyme Ästhetik versetzt. Er wird inspiriert
von dem, was andere vielleicht einen banalen Gegenstand nennen
von einer offenstehenden Tür vom Anblick einer tiefen Flurflucht
oder einer scheinbar reizarmen Fassade, Er konstruiert Liniengerüste,
addiert Senkrechte und Waagrechte bis zur Unendlichkeit, verdichtet
präzise Liniennetze bis zum Musterteppich. Dabei ist ihm
das Quadrat ein Faszinosum. Er ist geradezu stigmatisiert von
dessen idealer Symmetrie, seiner festen Statik, der Möglichkeit
zur Diagonalen. Das Quadrat als architektonischer Baustein, nach
Plato Sinnbild des absolut Schönen, aber auch Sinnbild für
die Erde, des Begrenzten, Symbol für die Himmelsrichtungen,
magisches Feld ganz und gar Also auch ideales Bildformat für
Raecke, Er baut Welten aus Quadraten auf oder läßt
sie in sich zusammen-stürzen.
Vom Quadrat zum Kreis, dessen
Gegenstück, ist dennoch nur
ein Schritt, Raecke geht ihn zuweilen. Er braucht den Kreis als
Herausforderung, als Akzent, als „Himmelsstück".
Seit
Kindheitstagen verfolgt ihn der Traum vom Fliegen, Vielleicht
ist das des Rätsels Lösung, daß der Himmel
in seinen Bildern oft eine feste Funktion hat, daß er
oft die Vogelperspektive wählt, die direkte Draufsicht,
die ein Stück Erdenguadrat zum labyrinthischen Wabensystem
oder zum Schaltkreismuster macht. Doch mitunter zerfallen auch
seine Himmel wie Architekturen...
Das alles in den kühlen Farben einer starren, kargen Betonwelt,
Klangspiele zwischen Blau und Grau in feinsten Nuancierungen,
Eine unterkühlte, eisige Melancholie. Zuweilen ein roter
Akzent, ein Funke Aktivität - oder ein Licht-Blick?
Die streng
sachliche Bildsprache und die schnittscharfe Darstellung - Kanten
wie mit dem Messer geschnitten - bewirken magische
Verfremdung, Dazu eine radikale schmerzliche Leere. Der Mensch
ist nur auf wenigen Bildern anwesend und dann meist als biotopisches
Attribut, Doch ist das alles Menschenwelt: Menschen haben diese
seelenlose Harmonie aus Beton geschaffen. Welches Lebensgefühl
mag sich darin entwickeln? Welche Formen des Zusammenlebens
und der Kommunikation sind darin möglich'? Ulf Raecke
fühlt sich da Caspar David Friedrich nah.
Faszination der
Geometrie also auf der einen Seite, Beunruhigung und Hinweis
auf die damit verbundene mögliche Konformierung
und Vereinsamung auf der anderen, Vision und Wirklichkeit.
Dem
einen mögen äiese Bilder ein raffinierter rational-ästhetischer
Genuß sein, dem anderen eine Herausforderung, unsere Zivilisationsfolgen
zu bedenken.
Dr. Maren Kroneck
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