Er ist ein Vollblutstilist. Was er auf die Leinwand bringt, scheint durchformt von technischem Geist. Hat Gerüst.
Als studierter Bauingenieur verfügt er offenbar über alies geometrisierende Wahrnehmungsraster und Gestaltungs- prinzipien. Ihn reizt jene Welt, in der vermessende Ordnungen gelten. Ob Architektonisches, Dingliches oder gar Florales, ob Innen- oder Außenräume, bei ihm hat alles Skelett, Fachwerk, Kanten, Streben, Sparren oder Gräten aus Geraden, Vertikalen und Schrägen. Sie sind das Material, mit dem er komponiert und rhythmisch, synkopisch taktet, als war er Freejazzer. Die Motive findet er allenthalben in menschge- machter Welt: in Brücken, Türmen, Fassaden, Türen, Fenstern, Treppen, Hallen, Häfen. Wie sich da etwa der Mastenwald der Segelboote zu stringenter Struktur fügt! — Wie sich-Landschaften zu bizarren Räumen verspannen! Doch nirgends Natur pur und nirgends Erzählung oder Kommentar. Alles ist Ergebnis von Abstraktion, Reduktion und Vernetzung. Ein Kopfmensch hat da konstruiert. Konstruktion liegt ihm im Blut, an ihr begeistert er sich. An Regellosigkeit oder Zerstörung leidet er. Fast vermutet man in ihm einen ästhetischen Asketen. Wenn da die Farben nicht wären, die glühenden Rots, die leuchtenden Oranges, die tiefen Blaus. Da brennt einer in fluchtenden Bildräumen und scheint doch zugleich zu frieren. Alles Konstruktive, Fleischlose überschwemmt er jäh mit Farbe pur und macht so aus den gezügelten Konstanten üppig blühende Lustobjekte, lässtsie leuchten und flirren und erhebt sie dadurch zu opulent Emotionalem. Dr. Maren Kratschmer-Kroneck |