Er
vertraut seiner Zeichenkunst, die er mit spitzer Feder oder Nadelspitze
und Lupe virtuos ausreizt. Er strichelt sich in Natur- und Lebensräume,
die er mittels dichter Strukturen bis in geheimnisvolle Tiefen
führt und gegen helle Flächen setzt. Auf solche Weise
schafft er ein faszinierendes Spiel mit Licht und Schatten. Er braucht die Naturvorgabe, den Gegenstand, um sie sich thematisch
Untertan zu machen. So sind seine Zeichnungen vor allem Naturstücke,
die er zu autonomen Ensembles figuriert. Hierbei kann er elegische
Stimmungen einbringen. Oft sind es Welten des Abschieds: einsame
Waldstücke, verlassene Alleen, verfallene Brücken,
versiegte Brunnen, Treppen in ein Nirgends. Mehr Stillleben als
Flora oder Architektur. Eine nature morte. Schließlich
gelangt er konsequenter Weise zu reinen Stillleben: Wie sich
Licht in Kristallen bricht, in den Gläsern noch eine letzte
Neige. Das Geschaute als eindringliche Vanitas-Darstellungen. Er ist von reinem romantischem Gemüt und lebt eigentlich
zeitversetzt. Ein seit zweihundert Jahren toter Wackenroder hätte
sich vielleicht gern zu ihm gesellt: Die Welt sei eine Sache
der leisen Lust, keinesfalls der Belustigung. Kunst sei ein Land
der Zwischentöne, die sich jeder lauten Lebewelt entziehe;
Gefühle allein seien realistisch, Definitionen seien nur
Hülsen. Derart setzt auch Herzog - im Bürgerlichen
doch ein Doktoringenieur!
- unserer schnelllebigen Technik- und
Informationswelt seine akribischen, feinsinnigen, stillen Welt-Bilder
entgegen. Hier liegt wohl auch das Geheimnis seines Erfolgs. Dr. Maren Kroneck
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